Steinsfurter Schachkommune erobert Karlsruhe
Karlsruhe. Vom 2. bis 6. April verwandelte sich die badische Fächerstadt in die Welthauptstadt des Schachs. Das grenke Chess Open lockte 3628 Teilnehmer – 20 Prozent mehr als im Vorjahr – in die Schwarzwaldhalle. Mittendrin: vier Mitglieder der Schachkommune Freibauer Steinsfurt. Kenneth Langbein, Konrad Loster, David Fehn und Nsang Poumbga traten im C Open an, inspiriert von begeisterten Berichten aus früheren Jahren. Was sie vorfanden, übertraf die Erwartungen: Magnus Carlsen und Vincent Keymer spielten Chess960, sechsjährige Autogrammjäger kurvten durch die Hallen, und achtjährige Wunderkinder deklassierten routinierte Veteranen.
Nsang Poumbga glänzt mit 6.0 Punkten auf Platz 30
Das herausragende Ergebnis der Steinsfurter erzielte Nsang Poumbga. Mit 6.0 Punkten aus acht Partien – fünf Siege, zwei Remis,
eine Niederlage – landete er auf Platz 30 im C Open. Ein Buchholzwert von 39.5 untermauerte, dass Poumbga gegen starke Gegner antrat. Seine Partie in der sechsten Runde geriet zum taktischen Feuerwerk: Nach einem Springeropfer verwandelte er die Initiative in einen Königsangriff.
Auf die Frage, wie er das nun wieder angestellt habe, antwortete er nur achselzuckend: "Ich spiele halt
gern Bullet online." Anscheinend schärfen diese 3 Minuten-Blitzpartien die Instinkte so sehr, dass man
an der neunten Runde gar nicht mehr teilnehmen muss, um eine hervorragende Platzierung zu
erreichen.
David Fehn folgte auf Rang 156 mit 5.0 Punkten, Kenneth Langbein sammelte 4.5 Zähler (Platz 205). Konrad Loster erreichte mit 3.0 Punkten Platz 434 und berichtete, dass die Atmosphäre in den
Turniersälen jeden Zug lohnenswert machte.
Wiedersehen mit alten Weggefährten im B Open
Die herzlichste Überraschung bescherte das Zusammentreffen mit drei ehemaligen Vereinsmitgliedern. Robin Frank (SC Eppingen), Ben Ebert und Jona Doerzbach (beide SC Blauer Turm Bad Wimpfen) spielten im B Open. Frank erreichte 4.5 Punkte (Platz 406), Ebert und Doerzbach jeweils 4.0 Zähler (Plätze 626 und 646). Die Gespräche zwischen den Runden drehten sich um alte Vereinsabende, legendäre Blitz-Duelle und die Frage, ob man sich beim nächsten grenke Open nicht gemeinsam anmelden sollte – Vereinszugehörigkeit hin oder her.
Wenn Achtjährige Veteranen vom Brett fegen
Am ersten Tag wurde für das Freestyle-Schach Position 106 aus Bobby Fischers 960 Stellungen
ausgelost. Carlsen und Keymer demonstrierten Weltklasseschach ohne Eröffnungstheorie – jeder
Zug entsprang reiner Berechnung.
Die größte Verblüffung lieferten die Jüngsten im C Open. Grundschulkinder fegten
gestandene Spieler vom Brett. Der achtjährige Gabriel Movesian, Sohn eines tschechischen
Großmeisters, besiegte Konrad Loster nach 26 Zügen, nicht ohne freundlich zuvor ein Remis
angeboten zu haben. Sechs- und Siebenjährige sammelten auf Schachbrettern Autogramme und
zeigten, dass im Schach nur die Qualität der Züge zählt – nicht Alter, Geschlecht oder
Herkunft.
3628 Spieler, ein gemeinsamer Rhythmus
Die schiere Größe versetzte in Staunen. 3628 Teilnehmer bedeuteten, zwei riesige
Spielsäle bis auf den letzten Platz zu füllen. Das Raunen in den Sälen, die
Tastengeräusche der Uhren, das Rascheln der Notationsblätter verschmolzen zu einem
eigentümlichen Rhythmus. Zwischen den insgesamt neun Runden diskutierten Deutsche
mit Franzosen über die Najdorf-Variante, Schweizer analysierten mit Ukrainern
Endspielstellungen – die universelle Sprache der Figuren.
Ein Appetithappen für 2027
Die Steinsfurter kehrten beeindruckt zurück. Die Mischung aus Spitzenschach,
internationaler Atmosphäre und dem Triumph jugendlicher Talente hat gewirkt:
Für 2027 rechnet man im Verein bereits mit weiteren Anmeldungen.
Wer einmal in Karlsruhe über 64 Feldern gebrütet, zwischen Zügen
Weltmeisterschaftskandidaten beobachtet und die Energie von 3600 Schachspielern gespürt hat,
möchte diese Erfahrung nicht missen. Das grenke Open ist mehr als ein Turnier – es ist ein
Fest der Vernunft und ein Beweis dafür,
dass in einer Welt voller Unterschiede manchmal 32 Figuren ausreichen,
um alle gleich zu machen.
Text: Konrad Loster